*
Menu
Willkommen Willkommen
Über mich Über mich
Projekt Projekt
Alpen Alpen
Heimweiden Heimweiden
Echoplätze Echoplätze
Agenda Agenda
Noten / Lieder Noten / Lieder
Links Links
Geschichte Geschichte
Kontakt Kontakt
Musik-links-frontseite
   

Klingeltöne
  
DEFAULT : Alp Gross Heiern
22.07.2013 20:15 ( 2574 x gelesen )


- Ein schönes Alpkreuz steht auf der Alp
- Alpfamilie beim Nachtessen
- Alphornspiel beim Kreuz, kein Echo, dafür: „Bravo, schö isches!“
- Ein neugieriger Wanderer/in
- Margrit und Karl offerieren mir ein Bier
- Karl spielt auch Alphorn, er würde sofort 5000.- bezahlen wenn er es…
- Sein Instrument hat der Schwiegersohn im Ballenberg angefertigt
- Sie finanzierten ihre Hemed und später auch die Alp ohne Unterstützung
- Es ist streng wenn alles selber finanziert ist, aber viel angenehmer
- Die Millionärin aus Amerika, Frau Räss
- „I ha mösse e Bot geh, ond denn het e natüli au no nebes in Schlock wele“
- Die Hütte ist kurz vor dem Zerfall, der Boden lind und unbrauchbar
- Wegen dem Dranieren Probleme mit der Standeskommission
- Carlo Schmid war froh, dass die Alp wieder zur Heemet gehört
- Die verkauften Alpen 
- Landamann Mittelholzer meinte sogar: „De Seb heti nie döre Landama wede“
- Die alte Holztüre mit Bajonetteinstichen und das uralte Schloss
- Der älteste bekannte Innerhoder Alpsegen?
- Der Vollmond und der Senn von Klein Heiern


 


Ein wunderschöner Sommerabend lockt mich auf eine Alp. Da es schon 18:15 ist, entschliesse ich mich für einen Ort in der Nähe. In der Region Eggli/Fähnern gibt es einige Alpen die zu Fuss schnell erreicht sind, ich entscheide mich für Klein Heiern wo ein Quellschutzgebiet sein soll. Ab Parkplatz Eggli bin ich bereits nach knappen 20 Minuten am Ziel. Da mir die Alp etwas verlassen vorkommt, gehe ich gleich weiter Richtung Gross Heiern. Dort treffe ich mitten in der Weide auf ein schönes Alpkreuz mit einer gereimten Gebetstafel in alter deutscher Schrift. Das Kreuz steht auf einem betonierten Sockel, dieser ist gerissen und deshalb notbedürftig mit einem Spannset gesichert. Eine Kupferabdeckung über dem Sockel hätte das Problem wahrscheinlich vermieden.
 
Unten bei der Hütte sitzt die Alpfamilie am Gartentisch beim Nachtessen, drei Erwachsene, zwei Kinder und zwei Appenzeller Bläss. Beim Kreuz beginne ich zu spielen und bin gespannt wie die beiden Hunde darauf reagieren. Diese geben aber keinen Laut von sich, nur eine der beiden Frauen ruft nach dem zweiten Stück: „Bravo, schö isches!“ Nach einem dritten Stück entdecke ich auch noch einen entfernten Zuhörer, ein Wanderer steht am Horizont, die Arme auf den Hüften eingestemmt. Ein Echo gibt es hier keines, dafür geniesse ich die wunderbare Fernsicht von den Österreicher Alpen bis zum Bodensee.
 
Nach einem vierten und letzten Stück packe ich meine Sachen und gehe hinunter zur Hütte. Die beiden Hunde springen mir entgegen und bellen laut, der Senn ruft sie zum Glück schnell zurück. Beim Gartentisch begrüssen mich Margrit und Karl freundlich und offerieren mir ein kühles Bier. Beiden hat die musikalische Umrahmung des Nachtessens sehr gefallen, Karl meint sogar: „I gäb sofot föftuusig Franke wenn i eso chönt Alphorn spile, jäh ganz siche, wenn nüd no meh.“ Etwas gebauchpinselt frage ich zurück: „Spilsch denn du öpe au?“ Karl bejaht und meint traurig: „Leide chom i zwenig dezue, diä Täg sönd i de Regel ebe lang ond denn bini em Obet efach gad no müed. Abe s’Alphorn han i all do obe, netweli hend schogä gmeent, i sölls im Weente aml Hee abi neh, wege Ibreche ode so. Hützutag wäss me jo nie – Magrit, hols doch wädli abi, denn chömmes aaluege.“ Während Margrit das Instrument im Haus holt erzählt mir Karl, dass das Alphorn ein Geschenk seines Schwiegersohnes sei, dieser habe es selber bei einem Kurs im Ballenberg angefertigt. Ich staune nicht schlecht, aus einem modischen Gigbag kommt ein ganz ähnliches Horn wie meins zum Vorschein. Einzig das Gewicht ist etwas grösser, aber auch dreiteilig mit gedrehten Alubüchsen und Ohrringen. Karl möchte selber nicht blasen, er überlässt es deshalb mir und es tönt hervorragend.
 
Nun setzen wir uns an den Gartentisch, Karl ist neugierig und möchte genaueres über mich erfahren, anschliessend erzählt er mir auch über sich. Er erlernte den Beruf des Landwirts, hatte aber nicht die Möglichkeit den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Er arbeitete deshalb nebenbei auf dem Bau um Geld zu sparen für einen eigenen Bauernbetrieb. Diesen konnte er irgendwann auch kaufen, er ist stolz darauf, dass er bis heute ohne Beiträge auskommt. Zwar sei es viel strenger, dafür muss er sich auch von niemandem bevormunden lassen. Eine eigene Alp war sein grösster Traum, das ist aber wie ein Sechser im Lotto. Und wenn man es an die grosse Glocke hängt, steigen die Preise ins Unermessliche.

Da kam plötzlich die Information, dass diese Alp zu kaufen sei. Sie gehörte früher einer Frau Räss – Millionärin aus Amerika – und jetzt verkaufe sie ein Nachfahre von ihr. Die Hütte und der Stall waren in einem miserablen Zustand und die Weide so nass, dass sie eigentlich unbrauchbar war. Nun musste alles sehr schnell gehen, bevor andere  davon erfuhren. Karl meint: „ I ha dem Herr us Amerika gfroget was e denn defö mösi ha. Deseb hei abe gad gsäht, i söll em e Bot geh, e dei si denn jenochdem entscheide.“ Nun lag es an Karl einen angemessenen Preis anzuschlagen. Er wusste, dass, wenn der Herr den Umgang mit Geld von Frau Räss geerbt habe, er eher einen hohen Preis anpeilen muss. So geschehen und der Herr hat auch sofort eingewilligt, Karl meint noch: „Ond denn het e natüli fö de Schlock au no nebis wele.“ Das habe ich nicht genau verstanden und muss nachfragen, Karl meint damit ein grosszügiges Trinkgeld.

 
Margrit und Karl waren nun stolze Besitzer einer „verlotterten“ Alp. Karl kam es  nun zugute, dass er mit seinem Nebenerwerb bereits viele Weiden draniert hatte und sich mit Bagger und Sickerleitungen auskennt. So entwässerte er seine Alp Schritt für Schritt während rund 10 Jahren. Probleme mit der Standeskommission folgten, solche Bodenverbesserungen sind bewilligungspflichtig, Karl meint: „De eint Landamma isch schogö mit em Helikopter cho luege.“ Und kommt heute noch etwas in Rage.

Schlussendlich habe sich aber der andere Landammann, Carlo Schmid, positiv geäussert , es sei schön, dass die Alp wieder zur angestammten Heemed gehöre. Heute führt der Wanderweg beim Alpkreuz vorbei wo früher eine unbegehbare Sumpflandschaft war. Passanten meinen regelmässig, dass die Weide hier sehr schön und gepflegt sei.
In Innerhoden gibt es einige Alpen die nicht dem Kanton gehören. So wie z.B. Sämtis nach Oberriet SG und einige weitere. Warum konnte denn dies überhaupt passieren? Karl meint, es gab vor langer Zeit einen Landammann, der verkaufte diese Liegenschaften, warum weiss er auch nicht. Ich nehme an, dass die Zeiten sicher nicht rosig waren, sonst hätten sich sicher auch Käufer aus dem Kanton finden lassen. Weiter meint er: „De Landamma Mittelholzer het me emol gsät, dass me deseb nie heti döre wölle, de hegi em Land gad gschadt.“ Die genauen Hintergründe würden mich  brennend interessieren.
 
Die Hütte und der Stall mussten auch erneuert werden. Die Holztüre mit dem alten Schloss wollten sie aber belassen wie sie war. Ein altes Schloss auf einer Alp? Da schlägt mein Schmiedeherz sofort etwas schneller, das muss ich mir genauer ansehen. Margrit und Karl zeigen mir die uralte Türe mit einem riesigen Schlüssel der in keinen Hosensack passen würde. Auf der Aussenseite sind viele Einstiche zu sehen die vom Militär stammen, mit dem Bajonett. Karl meint dazu: „Do sönds do obe im WK gseh ond i ha dene Manne zom Znüni ond Zvieri Kafi Schnaps brocht ond i de Nacht hends denn no wele ibreche, da isch de Dank!

E Johr spöte het en andere Kadi denn gsät, i hetis sofot söle Mölde, jäh no, die schö Töre isch do scho kaput gseh.“ Das Schloss ist auf der Türinnenseite angebracht und die Einzelteile vor allem aus Holz gefertigt. Einzig eine grosse Stahlfeder drückt den Holzriegel in eine Aussparung. Ich habe schon viele Schlösser gesehen, aber ein solches noch nie. Mit sehr einfachen Mitteln gefertigt hält es scheinbar sogar das Militär fern. Interessant ist, dass das Prinzip mit den heutigen Schlössern vergleichbar ist.

 
Nun holt Margrit einen alten Alpsegen, ob ich einen solchen schon gesehen habe? Natürlich nicht, sie meint, verschiedene Sennen seien schon bei ihnen vorbei gekommen um diesen abzuschreiben. Dieser sei älter als der heute bekannte Appenzeller Betruf. Ich bin fasziniert, weitere Nachforschungen haben ergeben, dass dies ein Schweiz weit gebräuchlicher katholischer Haussegen ist und in der Zeit von 1913-1914 vom Bischof freigegeben wurde. Margrit sagte mir dann noch, dass ihre beiden Töchter diesen ab und zu auch rufen.
Es wird langsam dunkel, deshalb breche ich auf. Unterwegs werfe ich nochmals einen Blick zurück und sehe gerade den Vollmond hinter der Hütte am sternenklaren Himmel aufgehen. Fantastisch, das muss ich unbedingt bildlich festhalten.

Das Alphorn wandert nochmals aus dem Sack und ich muss die verschiedenen Einstellungen bei der Kamera noch ausprobieren. Das alles sieht etwas komisch aus - aber ich bin ja alleine hier. Danach marschiere ich weiter und bemerke, dass der Senn von Klein Heiern auf der Weide den Mist mit der Gabel verteilt – ich hatte trotzdem ein unbemerkter Beobachter. Ich grüsse ihn, da fragt er mich: „Hoi, bisch go filme?“ „Nei,“ sag ich ihm „i ha gad e paar Bölde gmacht.“ Vermutlich wüsste  er allzu gerne, was sich in diesem grossen Sack auf meinem Rücken verbirgt. Ich lüfte das Geheimnis ein Andermal. 


Zurück Druckoptimierte Version Diesen Artikel weiterempfehlen... Druckoptimierte Version
 
Die hier veröffentlichten Artikel und Kommentare stehen uneingeschränkt im alleinigen Verantwortungsbereich des jeweiligen Autors.
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail