*
Menu
Willkommen Willkommen
Über mich Über mich
Projekt Projekt
Alpen Alpen
Heimweiden Heimweiden
Echoplätze Echoplätze
Agenda Agenda
Noten / Lieder Noten / Lieder
Links Links
Geschichte Geschichte
Kontakt Kontakt
Musik-links-frontseite
   

Klingeltöne
  
DEFAULT : Alp Untere Hundslanden
02.07.2013 15:30 ( 2702 x gelesen )

- Lehmen – Neuenalp – Hundslanden
- Präsident Mursi und unsere Sommerferien
- Es ist nass, ab und zu springt ein Frosch aus einem „Kuhloch“
- Ameisen die einen Baumstamm zerlegen
- Grosse Felsbrocken, eingewachsene Tanne
- Der Bläss begrüsst mich streng
- Beim Alpkreuz spiele ich 4 Stücke
- Der Senn verzettelt weiter unten den Mist auf der Weide
- Ein moderner Traktor steht vor der Liegenschaft
- Sprudelt da eine Quelle vor dem Haus?
- Der Bläss sieht mich bei der Hütte und wird ungemütlich
- Ich bringe das Schild dem Senn vorbei
- Fredi meint: Hesch choge suube gspilt, i bi mi andes gwöhnt
- Den direktesten Weg Richtung Lehmen gibt es nicht mehr
- Die Überquerung der steilen Wiese ist mir zu gefährlich   


Bei der Grillstelle bei Lehmen brätelt eine Schulklasse, vermutlich eine sechste Klasse, aber nicht aus der Region. Die Kinder schauen mich, oder eher den länglichen Alphornsack, etwas komisch an, bis dann einer auf die Idee kommt, was sich darin verbergen könnte. Er ruft sofort: „Hei luegid, das isch doch sicher es Alphorn!“ Nun sind definitiv alle Blicke auf mich gerichtet, ich grinse und gehe weiter.

Unterwegs denke ich an unsere nahenden Sommerferien, wir fliegen nach Ägypten, genau nach Hurgada. Wir waren schon lange nicht mehr am Meer, die super Hotelanlage und der feine Sandstrand mit Schnorchelmöglichkeiten hat es uns angetan. Alle die schon dort waren kommen ins Schwärmen. Nun wurde aber vor einer Woche Ägyptens Präsident Mursi gestürzt und seine Anhänger - die Muslimbrüder -  protestieren mit Gewalt, es hat in Kairo bereits Tote gegeben. Nun sind wir uns nicht mehr so sicher, ob wir die Ferien nicht lieber annullieren wollen, für eine Umbuchung ist es aber schon zu spät. Eigentlich ist es doch hier so schön und friedlich, Ferien im Alpstein könnte ich mir sehr gut vorstellen, für mich ein Traum. Diese Entscheidung kann ich aber nicht alleine treffen, es sind da noch die Kinder die nicht gerne „latschen“ und Ursula die mit dem nasskalten Wetter dieses Sommers sehr zu kämpfen hat, hm. Ein passendes Wort: „Jähnu!“

 
Das Wetter ist heute wieder einmal etwas freundlicher, die Böden sind aber nach wie vor sehr nass und aufgeweicht. Es gibt überall Kuhlöcher die gefüllt mit Wasser auch gefährlich sind. Ab und zu springt sogar ein Frosch daraus. Unterwegs entdecke ich einen morschen Baumstamm der Ameisen ein schönes Zuhause bietet. Die Ameisenstrasse führt am Stamm hoch und verschwindet in einem Loch, würde mich interessieren wie es im Innern des Stamms aussieht, ein grosses Didgeridoo? Etwas weiter westlich stehen vereinzelt hausgrosse Felsbrocken in der Wiese, zwischen zweien hat eine alte Tanne ihren Platz gefunden. Aus einem Felsriss  wachsen schöne Alpen-Gemskresse die früher von den Sennen als Salat genutzt wurden.
 
Der Hundslanden Senn ist vermutlich noch beim Mittagessen, oder macht sein verdientes Nickerchen. Nur der Bläss hat mich schon von weitem gewittert und bellt lautstark. Über dem Haus steht ein grosses Alpkreuz, dort oben ist ein ausgezeichneter Platz um zu spielen. Der Weg führt hinter dem Haus vorbei, aber der Bläss gibt mir zu verstehen, dass ihm meine Absichten nicht sonderlich gefallen. Er bellt ununterbrochen, kommt mir zwischendurch sehr nahe und verfolgt mich anschliessend bis der Abstand zur Hütte für ihn stimmt. Sein Charakter ist trotz der gemischten Abstammung sehr typisch für einen Appenzeller Bläss. Briefträger möchte ich hier oben nicht sein.
 
Während ich mich beim Alpkreuz einrichte, kommt der Senn aus der Hütte. Er greift zur Mistgabel vor dem Stall und geht runter auf die Weide wo er sorgfältig den Mist verzettelt. Ich hatte ihn schon am letzten Mittwochabend gesehen, sie hatten eine private Zusammenkunft mit der Trachtenvereinigung bei der Schiibeleh Erika. Wir spielten für sie ein paar Stegreifstücke und der barfuss Senn hatte „öppe en träfe Spruch“ auf der Lippe, jedenfalls war es sehr lustig. Heute beim Alphornspiel ist er sehr zurückhaltend, „so en Juchz“ hätte ich eigentlich schon erwartet. Das Echo ist auch nicht viel versprechend. Ich könnte mir vorstellen, dass es an einem lauen Sommerabend ohne Wind vielleicht etwas besser sein könnte, Felswände gäbe es hier genügend.
 
Vor der Hütte steht ein ziemlich moderner Traktor mit Siloballenhebegerät, viel gescheitetes Holz und direkt unterhalb der Hütte sprudelt eine Quelle aus dem Boden. Im Alpkataster habe ich gelesen, dass in früheren Zeiten Verhandlungen geführt wurden Wasser von hier oben für die Stadt St.Gallen zu verkaufen. Handelt es sich vielleicht um diese Quelle? Verschiedene Utensilien stehen dort daneben die ich gerne fotografiert hätte, wenn da der aufdringliche Bläss nicht wäre. Er war mit dem Meister unten auf der Weide, muss aber scheinbar gewittert haben, dass ich mich nun wieder in der Nähe des Hauses aufhalte, sehen konnte er mich jedoch nicht. Er springt mir entgegen und bellt so laut er mag, er hält mich wohl für einen Einbrecher. Ich packe sofort alle meine Sachen und eile dem Sennen, natürlich mit „Bläss-Escorte“, entgegen. Das Schild möchte ich ihm lieber selber geben, hier einen Nagel einzuschlagen würde ich mich nicht getrauen.
Der Senn, er ist etwa in meinem Alter,  wirkt sehr beschäftigt, erst kurz bevor ich bei ihm bin, ruft er den Bläss zu sich. Ich gebe ihm die Hand, stelle mich kurz vor und erkläre ihm das Projekt Alp-Horn.

Langsam taut er etwas auf und meint mit seinem Toggenburgerdialekt:“ I bi de Fredi.“ Er begutachtet das Schild und meint dazu:“ Hesch choge suube gspilt, bi mi andes gwöhnt! Zeme mit em Echo hets würkli schö tönt.“ Ich selber habe eigentlich fast kein Echo gehört, es kann aber gut sein, dass es hier unten anders klingt. Ich frage Fredi nach dem Weg der auf meiner Karte von hier nach Lehmen führen sollte. Er meint:“ De isch scho lang iigange, abe musch nu dei onne bim Bomm öbe de Haag ond denn d’Wise ab.“ Gerne hätte ich noch über den letzten Mittwochabend geplaudert, aber ich muss den Heimweg in Angriff nehmen damit ich zeitig daheim bin. Die Überquerung der Wiese ist fast unmöglich, eine richtige Sumpflandschaft und zudem sehr steil. Ich möchte mir kein Bein brechen und wähle deshalb eine Route durch den Wald. Hier ist es ebenfalls steil, aber weniger nass, zudem kann ich mich an den Baumstämmen zwischendurch auffangen. Bei der Grillstelle in Lehmen rastet nun eine Seniorengruppe, diese sehen schon von weitem, dass sich ein Alphornbläser nähert.


Zurück Druckoptimierte Version Diesen Artikel weiterempfehlen... Druckoptimierte Version
 
Die hier veröffentlichten Artikel und Kommentare stehen uneingeschränkt im alleinigen Verantwortungsbereich des jeweiligen Autors.
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail