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DEFAULT : Alp Obere Helchen
01.04.2013 09:30 ( 2601 x gelesen )


- Früher Start nach kurzer Nacht
- Für Leonie einen Znüni und etwas Süsses im Rucksack
- Schnee, Kälte und Nebel im April
- Der Bauer räumt den Parkplatz für uns frei
- Kurze Pause auf der Neuenalp, Leonie hat Durst
- Wunderschöne Eiskristalle hängen an den Tannästen
- Die Wildtierspuren auf dem Hochmoor interessieren Leonie besonders
- Leonie „rugelet“ den Schnee hinunter bis zur Alphütte
- Znünipause, Leonie tauscht Tomatencracker für Farmerriegel
- Der Wurzelgeist hat doch auch Hunger oder?
- Kaffeerahm „steril“ von der Stadtmolkerei St. Gallen
- Kein Echo, vielleicht auch nur wegen dem dicken Nebel…
- „Wohnt denn do niemed“? Fragt Leonie beim Festnageln des Schildes
- Die erhofften Sonnenstrahlen bleiben aus


Diese Nacht wurde auf Sommerzeit umgestellt, deshalb stehe ich etwas strenger auf als normal. Auch Leonie, die sonst immer schon vor sechs wach ist, muss um 06:00 geweckt werden. Sie steigt aber nach der ersten Berührung sofort aus dem Bett und macht sich für unseren Ausflug parat. Den Skianzug, Handschuhe und Kappe habe ich bereits am Abend gerichtet damit wir gleich starten können. Leonie hatte mich vor dem Einschlafen auch noch gebeten, unbedingt viel Süsses und ihre Trinkflasche in den Rucksack zu packen. Zum Znüni habe ich dann für das kleine Schleckmaul noch zwei Caramel „Buschi“ dazu gelegt, eines auch für mich.

Der Wetterbericht hatte für heute schönes, aber kaltes Wetter vorausgesagt. Draussen ist es zwar neblig, aber ich bin guten Mutes und packe Sonnenbrille und Creme ein. Denn unser Ausflug geht über 1300 MüM und dort wird doch wohl noch die Sonne scheinen, oder? Und überhaupt, das ganze Osterwochenende über war es neblig und hatte immer wieder geschneit, seit Oktober liegt Schnee in unserer Gegend und ich kenne niemanden, der den weissen Zauber nicht auch satt hat, ist doch wahr!

Je näher ich dem Parkplatz Sollegg komme, desto mehr Schnee liegt auf der Strasse. Bis zum obersten Bauernhof verläuft die Fahrt normal, danach gibt es keine Spur mehr in der Fahrbahn. Ich komme deshalb ins Schwitzen, denn mein kleiner Opel Corsa ist diesen Verhältnissen nicht gewachsen. Die letzten 400m bis zum Parkplatz schaffe ich gerade noch, dort beginne ich aber zu spulen und bleibe schlussendlich stecken. Ich kann doch mein Auto nicht einfach so mittendrin stehen lassen, wenden geht unmöglich und mit dem Retourgang zurück wage ich mich nicht. Leonie sieht mein Problem nicht so eng und meint: “Papa wa hesch doch, chasch en doch do stoh loh, het gnueg Platz.“ Sie weiss natürlich nicht, dass dieser Platz an einem sonnigen Tag mit Autos überfüllt ist, nur für den Moment ist unser Auto das Einzige. Wir beide steigen aus und ich überlege was zu tun ist. Da höre ich einen Traktor näher kommen, sehen kann ich noch nichts, denn der Nebel ist immer noch recht dicht. Etwas erleichtert erkenne ich dann einen grossen Traktor mit Schneeschaufel uns entgegen fahren. Ein junger Bauer öffnet das Kabinenfenster, ich grüsse ihn und frage: „ Hoi, cha ni mis Auto do stoh loh?“ Er meint freundlich: „ I pfade gad de Platz frei, denn chasch en dei vone im Egg anistölle.“ Leonie und ich warten kurz und platzieren danach unser Auto ohne grosse Mühe im gewünschten Eck. Puh, nochmals Glück gehabt!

Danach stampfen wir dem Wanderweg entlang Richtung Neuenalp. Der Schnee macht uns etwas zu schaffen, denn ich breche regelmässig bis zu den Knien ein und Leonie hat noch nicht so lange Beine. Unterwegs fragt sie mich denn: „ Papa, hesch du denn de Buur kennt?“ Ich antworte ihr: „Nei, wieso denn?“ Sie meint: „Jo, hesch em eefach du gsäht.“ Ich kläre Leonie auf, dass man hier in Appenzell eigentlich allen „du“ sagen darf, das war schon immer so. Auf der Neuenalp machen wir eine kurze Trinkpause bevor wir weiter zum Hochmoor aufsteigen. Dort treffen wir auf viele Wildtierspuren, diese interessieren Leonie speziell. Schnell denkt sie sich Geschichten dazu aus, was für Tiere das sind, warum sie gerade da durch gelaufen sind… „ond, gets denn do au en Wolf?“ Mir persönlich gefallen die wunderschönen Eiskristalle die an den Tannästen hängen, in dieser Grösse gibt es sie nur, wenn es über längere Zeit neblig war.

Hinter dem Wald erblicken wir die Alphütte, endlich geht es auch einmal bergab. Leonie nützt es aus und „rugelet“ den Schnee hinunter bis zur Hütte, sie sieht danach aus wie ein Schneemann. Beim Tisch vor dem Haus packe ich den Znüni aus. Ganz entsetzt stellt Leonie fest, dass ich Tomatencracker eingepackt habe: „Papa du wäsch doch, i ha Tomate nüd geen ond i ha diä s’letscht Mol i de Schuel mit de Andrea au möse tusche!“ Also vom Schuelznüni weiss ich eigentlich nichts, denn diesen richtet immer Ursula, tut aber nichts zur Sache. Ich mache ihr deshalb den Vorschlag, dass wir auch tauschen, sie darf meinen Himbeerfarmer und ich esse dafür alle Tomatencracker – habe diese sogar lieber, he, he.

Neben dem Eingang zur Alphütte hängt ein schön geschnitzter Wurzelgeist, ein ideales Fotomodell. Leonie meint sogar: „De het siche au Hunger.“ Und bringt ihm einen von meinen Tomatencrackern, mit etwas Schnee bringe ich ihn dann beim Mund sogar zum Halten. Hinter dem Balken beim kleinen Stall entdecke ich drei leere kleine Flaschen, diese sind aber schon etwas älter. In der Einten steckt ein wurmstichiger Korkzapfen und auf der Mittleren steht geschrieben: Kaffeerahm steril, Stadtmolkerei St. Gallen. Dies finde ich dann doch etwas kurios, wir sind doch hier auf einer Alp, oder?

Vor der Hütte spiele ich 4 Alphornstücke, ein Echo gibt es keines, es tönt trocken wie wenn man in einen Mehlsack hineinbläst. Vielleicht liegt es auch am Nebel der sich immer noch nicht verzogen hat. Dafür darf Leonie auch ein paar Töne blasen, hier stören wir sicher niemanden. Zum Abschluss hänge ich noch das Alp-Horn Schild auf. Ich nagle es direkt unter das Alpschild an die Hausfassade, beim Hämmern fragt dann Leonie: „Wohnt denn do niemed?“ Ich erkläre ihr, dass hier im Winter niemand haust und wenn die Fensterläden geschlossen sind, sowieso keiner da ist. Wir machen uns auf den Heimweg und sehen beim Hochmoor zweimal die Sonne in weisser Farbe durch den Nebel schimmern, zu mehr reicht es auch heute nicht.

 


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