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DEFAULT : Alp Chollöchli
18.09.2012 11:30 ( 3377 x gelesen )


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Vom Weg abgekommen
-  Ein schmaler Pfad
-  Eins zwei Zauberei, drei vier Flasche Bier
-  Erinnerungen an „Hase Emil“
-  Farn und „Häselbei“, aber wo bleiben die Früchte?
-  Schöner Echoplatz 50m vor der Alp direkt in die „Bockstube“
-  Wo befindet sich denn das Kreuz und der Brunnen?
-  Ich bin immer noch sehr traurig wegen Valentin
-  Em Valentin sis
-  Mannshohe Disteln mit violetten Blüten
-  Ein alter zerfallener Stall
-  Idyllischer Flecken
-  Zmittag vor der Alphütte
-  Eins zwei Zauberei, schöne Jungfrau blond und schlau…


Nach dem Besuch der Alp Hochstein, suchen Christian und ich den Einstieg zum Chollöchli. Da wir den richtigen Weg verpassten und mühsam wieder den Berg hinauf steigen müssen, ist die Freude gross, als wir die „Stapfete“ endlich antreffen. Sie sticht uns aber erst ins Auge, als ich sie mir sozusagen herbei wünsche. Christian schaut mich danach etwas kritisch an. Ein schmaler Pfad führt uns nun über eine Felsrippe ins links gelegen Tobel. Mir kommt es vor wie eine „Lisengrat light Version“.

Noch etwas ausser Atem und verschwitzt vom vorherig ungewollten Aufstieg sage ich zu Christian: „So e chüels Bier, wo d’ Fläsche so richtig schö schwitzt, wär etzt genial“. Christian grinst und meint: „Du mosch jo wiä bi de Stapfete no devo schwätze ond schwups…“ greift in seinen Rucksack und bringt eine Flasche Locherbier zum Vorschein. „…i ha denn im Fall zwä, he,he.“ Mein Schwager bringt mich immer wieder zum Staunen.

 
Christian möchte wissen, ob ich hier schon einmal war. Ich erzähle ihm deshalb aus meiner Kindheit von „Bockstube“ Erlebnissen zusammen mit meinem Onkel Emil Haas. Einmal jährlich, und zwar nur an einem ausgesprochen schönen und warmen Sommertag, gingen wir jeweils diesen Weg. Als Jäger und Sohn des Wildhüters kannte Emil den Alpstein wie kein Zweiter. Viele interessante Begegnungen mit Mensch, Tier und Natur durften wir zusammen erleben. Die Bockstube war aber das ultimative Highlight und nur über einen geheimnisvollen Schleichweg zu erreichen.

Zur Ausrüstung gehörten alte Turnschuhe, eine alte Badehose, ein Servelat mit Brot und ein Gemeinschaftstüchlein. Sozusagen nur das Allerwichtigste, wir Kinder waren froh, dass unsere Eltern für uns den Rucksack mitschleppten. So konnten wir uns voll auf den feuchten Spass im Bachbett konzentrieren. Auf dem Bockstube-Weg bis nach Lehmen gibt es kleinere aber auch grosse „Wassergonte“ wo man ausgiebig schwimmen kann und verschiedene in den Stein geschliffene Wasserrutschen. Eine davon hat uns immer speziell gefallen, ein kleiner Mangel hatte sie aber. Die Badehose hatte danach immer am selben Ort ein Loch.
 
Das ehemalige Weidli vom Chollöchli ist heute mit Farn und Heidelbeerstauden überwuchert. Eine geheimnisvolle Stimmung empfange ich, es kommt mir vor wie in einer Märchenlandschaft, Schatten und warmes Licht wechseln sich in der Lichtung ab. Die Früchte der „Häselbeistude“ sind leider alle weg, wer wohl alle diese feinen Beeren so fein säuberlich geerntet hat? Bei genauerem hinschauen finde ich denn doch noch ein Maul voll leckere Beeren.

Die Alphütte kann ich links in der nächsten Lichtung erkennen, rechts ist der Einstieg zur Bockstube. Ich folge dem Pfad rechts, verlasse nach ein paar Metern bereits den Wald und komme an das mir aus der Kindheit bekannte steile Wiesenbord. Früher hatte hier irgendwo ein Weidkreuz gestanden und ein Holzbrunnen müsste auch irgendwo plätschern, ich kann aber beides nicht entdecken. In rund 40m Entfernung ragt eine Felswand empor und folgt dem Bach bis hinunter ins Tal, hier tönt es sicher gut mit dem Alphorn. Ich blase deshalb hier zwei Stücke, das Echo dünkt mich fast etwas zu direkt und zuwenig nachhaltig. Christian, der bereits bei der Alphütte steht meint später, dass das Echo bei ihm super geklungen hat. Er hörte viele Phrasen mehrstimmig. Es kommt halt im Leben nicht nur auf den Standort des Senders an, sondern auch auf den Standpunkt des Empfängers.
 
Eigentlich habe ich im Moment aber keinen Nerv für Lebensweisheiten, ich trauere immer noch um Valentin. Er war ein junger Musikkollege und würde im Oktober gerade 18 Jahre alt. Vor 10 Tagen kam er durch einen tragischen Unfall ums Leben, ich kann es heute noch nicht fassen, vor vier Wochen hatten wir zusammen in unserem Garten noch „gstegräfled“. Und jetzt soll plötzlich alles vorbei sein? Als ich am Samstagabend vom Unfall erfuhr, brachte ich die ganze Nacht kein Auge zu. Alles drehte sich um Valentin und auch seine Eltern Roland und Barbara. Am darauffolgenden Sonntagmorgen bin ich deshalb um 06:00 aufgestanden, habe mein Alphorn gepackt und bin zur Ochsenegg gefahren. Zuerst hatte ich das Gefühl keinen Ton heraus zu bringen, mein Hals war wie zugeschnürt. Schon nach dem ersten Ton, sobald das Horn zu schwingen begann, konnte ich mich wieder öffnen.

Ich spielte fast eine Stunde, die Sonne war am Anfang noch hinter dem Kamor verdeckt. Um 07:45 setze ich zum letzten Stück an, „Maria zu Ehren“. Gerade in diesem Moment blinzelte die Sonne hinter dem Kamor hervor und schien genau auf den Platz wo ich spielte, ringsherum bleibt es noch ein paar Minuten länger schattig. Auf dem Wanderweg, der unten durchführt, nähern sich zwei Personen. Als ich mit dem Stück fertig bin, stehen die Beiden gerade unter mir, es sind die Eltern von Valentin. Roland winkt mir noch zu, danach gehen sie beide weiter und mir schiessen die Tränen in die Augen. Ich werde diesen Moment nie wieder vergessen.
 
Etwas später habe ich mich in meinen Proberaum zurückgezogen und habe die Melodie, die mir an diesem traurigen Tag nicht mehr aus dem Kopf will, aufgeschrieben. Dem Alphornstück habe ich den Namen gegeben: „Em Valentin sis“. Es ist keine traurige Melodie, Valentin war aufgeweckt wie ein fröhlicher Sonnenschein und so möchte ich ihn auch in Erinnerung behalten.
 
Bei der Bockstube wechsle ich nun den Standort, ich marschiere bei der Alphütte links vorbei und auf der nächsten Felsrippe hinauf Richtung Kronberg. Ein verwachsener Pfad führt mich vorbei an mannshohen violetten Disteln. Etwa 200m weiter oben finde ich einen geeigneten Platz zum Spielen. Deshalb geeignet, weil das Alphorn und ich einigermassen stehen können ohne abzurutschen. Hier spiele ich zum ersten Mal „Em Valentin sis“ und habe bevor ich beginne wieder Tränen in den Augen. Eigentlich wäre ich froh, wenn es nie einen Anlass gegeben hätte für diese Komposition. Viel lieber würde ich Valentin in Person auf dieser Alp antreffen und über seinen Schalk schmunzeln… Beim Spiel legt sich die Trauer langsam und es wird mir sogar warm ums Herz. Ich denke an den Moment zurück, als mich am Sonntagmorgen die ersten Sonnenstrahlen trafen.
 
Etwas melancholisch gehe ich wieder zurück zur Alp, benütze aber nicht denselben Weg sondern wechsle in die Talsohle. Dort treffe ich auf Christian und einen zerfallenen Stall, die Balken der Strickwand liegen wild durcheinander. Wir vermuten, dass dies aus Grund des kleinen Grundrisses früher einmal der Schweinestall war. Nun gehen wir zurück zur Alphütte und bereiten unseren wohlverdienten Zmittag auf dem Bänkli vor dem Haus vor. Wir beide sind der Ansicht, dass hier ein sehr idyllischer Platz ist, die Hütten wirklich wie im Märli. Auf der Alp Hochstein würden wir es aber sicher länger aushalten, hier würden wir uns nach kurzer Zeit schon eingeengt fühlen. Ausser, wenn da eine schöne junge Frau mit blauen Augen und blondem langem Haar… Christian unterbricht mich und meint: „ Du mosch es doch gad wünsche, he,he!“ In diesem Moment kommt eine Person hinter dem Haus hervor… Hm – ein älterer Herr wandert Richtung Augstberg. Das mit der „Herbeiwünscherei“ funktioniert halt doch noch nicht so perfekt.


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