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DEFAULT : Alp Aescher
24.05.2012 09:00 ( 2731 x gelesen )


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Der Seealpgottesdienst
- Sonntagmorgen 07:15 Talstation Ebenalpbahn
- Die Höhle und die Eremitenblockhütte
- Kein Foto vom Felsenkeller für die „Hedepfel“
- Ein Luftballon im Sinkflug
- Alphornspiel unterhalb des Restaurants
- Eine volle Gartenwirtschaft, es wird „g’Stegräfled“
- Das Schild erhält einen Ehrenplatz
- Die Predigt von Martin
- Dirigent Gilbert Tinner trägt meine Posaune nach Seealp


Zusammen mit der reformierten Kirche Appenzell gestaltet die Musikgesellschaft Harmonie Appenzell, unter Mitwirkung der Jugendmusik, alljährlich einen Feldgottesdienst hinten beim Seealpsee. Eine kleine Gruppe Musikanten steigen zu diesem Anlass frühmorgens zum Äscher auf. Dies ist jeweils ein schöner musikalischer Abschluss vor der Sommerpause. Nach einem wärschaften Morgenessen wird ausgiebig g’Stegräfled, was bei dieser Kulisse einfach fantastisch ist. Interessant ist, dass heutzutage vor allem junge Musikanten die treibende Kraft sind für diesen Abstecher. Von meiner Familie kommen in diesem Jahr alle mit. Damit es für alle stimmt, fahren wir etwas bequem mit der Luftseilbahn zur Ebenalp. Die Musikanten müssen freundlicher Weise für die Fahrt nichts bezahlen und dazu kommt noch, dass die Bähnler uns eine Viertelstunde früher hinauf fahren als üblich, einfach super.
 
Der Weg von der Ebenalp führt durch die berühmten Wildkirchlihöhlen. Jedes Mal wenn ich da durch laufe, bekomme ich das Gefühl jeden Ecken und Winkel auskundschaften zu müssen. Heute dünkt mich die Beleuchtung sehr speziell, unheimlich düster und der Boden sehr feucht. Ich halte mich deshalb gerne am Geländer fest, eigentlich untypisch für mich. Einige Gedankengänge über das vielleicht nicht beste Schuhwerk und mein vorschreitendes Alter – bei Männer über Vierzig ist das üblich – schiessen mir durch den Kopf bis ich bemerke, dass ich heute seit langer Zeit wieder einmal meine Sonnenbrille auf habe. Ich gehöre zu den Brillenträgern, die das gute Stück morgens aufsetzen und abends aufs Nachttischli legen… Zum Glück ist der Rest der Familie schon weit voraus, sonst käme ich noch ins Gespött. 
 
Unten beim Ausgang ist die bekannte Eremitenhütte, sehr eindrücklich wie die Blockhütte mitten in der Felswand platziert ist. Irgendwo hier müsste auch eine Türe zum Felsenkeller vom Restaurant Äscher sein. Beni transportiert jeden Frühling mehr als 1000 Kg Kartoffeln hinauf für seine bekannte Rösti und lagert sie dort bei besten klimatischen Bedingungen. Gerne hätte ich ein Bild von dieser grossen Menge gemacht. Noch etwas weiter unten ist eine Felsgrotte die zu einer Kapelle umgebaut wurde. Ein wunderschöner Ort und der Zufall will es, dass genau jetzt noch ein weisser Luftballon ins Schwendetal absinkt. Wohl ein verspäteter Teilnehmer der Held Trophy vom letzten Wochenende in Appenzell?
 
Die Alp Äscher wird seit längerem eher als Gastbetrieb genutzt. Beni Knechtle, der Wirt, und seine Familie haben noch ein paar Schafe und wenige Sauen die sie selber unterhalten. Das Gelände ist sehr steil und mit Steinen durchsetzt, etwas unterhalb des Gasthauses finde ich eine einigermassen passende Stelle und spiele noch vor dem Morgenessen ein paar Alphornstücke. Die Kulisse ist wunderschön, ein Echo würde das ganze noch abrunden, leider kommt nur ein leises Säuseln zurück. Danach begebe ich mich auch in die Gartenwirtschaft zu meiner Familie, diese haben natürlich bereits fertig gefrühstückt. Mein Becher hat einen unappetitlichen braunen Kaffeerand, Ursula muss schmunzeln: „Isch wideemol typisch, d’Mame vewennt di wideemol!“. In der Annahme dass ich auch bald komme, hatte Ursula mir bereits eingeschenkt. Der Kaffee wurde natürlich kalt und meine Schwiegermutter Rosaly hatte verbarmen mit mir und leerte deshalb den „Schönmacherkaffe“ in ihr Beckeli hinüber.
 
Nach dem Morgenessen wird kräftig „g’Stegräfled“. Vor voll besetzter Gartenwirtschaft spielt Thomas Raschle mit seiner Trompete die schönsten Rugusserli und Wälzerli. Unser Dirigent Gilbert Tinner, er spielt auch bei Udo Jürgens in der Band mit, bekommt von Irene das Euphonium und bläst wunderbare Gegenmelodien. Alle jungen Musikanten, auch unsere Julia, spielen bei solchen Anlässen gerne mit. In diesem ungezwungenen Rahmen werden sie ins Stegreifspiel eingeführt und: „Häbid am Aafang vorallem grad“. Zwischendurch platziere ich noch mein Alp-Horn Schild. Beni gibt mir die Erlaubnis, dies an schönster Stelle zu befestigen, direkt neben dem Eingang auf den Fensterladen.
 
Bevor wir aufbrechen, erinnert sich Ursula an die Predigten der letzten Jahre. Pfarrer Andreas Schenk erzählte immer von einem Schulkameraden namens Martin. Ein richtiger Businessmann der ohne Handy und Laptop nicht das Haus verlässt und von Termin zu Termin jagt. Das letzte Mal war das Schwerpunktthema eine gemeinsame Bergtour mit Martin, so quasi hoch hinaus.  Mich und scheinbar auch Ursula, hatten diese Geschichten jedes Mal tief berührt. Wir sind gespannt, ob heute eine Ergänzung folgt.
 
Langsam müssen wir aufbrechen, der Gottesdienst in Seealp beginnt um 11:00. Rosaly würde gerne mitkommen, muss aber heute früher zu Hause sein. Da der Weg nach Seealp sehr tückisch ist, rät sie unserer „kleinen“ Leonie noch, sehr gut auf zu passen. Mit dem Alphorn auf dem Rücken und der Posaune in der Hand, bin ich diesbezüglich auch keine Hilfe. Gilbert nimmt mir deshalb ohne zu zögern die Posaune aus der Hand und trägt sie für mich bis nach Seealp. Ein Mann ohne Starallüren, mich überrascht er immer wieder.
Und zu guter Letzt, die Geschichte von Martin wurde fortgesetzt. Er hatte im Frühjahr bei Andreas beim Pfarrhaus geklingelt, war atypisch gekleidet und meinte: „ Jetzt bin ich ausgestiegen“.


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