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DEFAULT : Heimweide Blatternspitz
03.08.2015 20:40 ( 1358 x gelesen )

 
- Parkieren oberhalb der Musegg
- Den Berg hinauf im Gebetsmühlentempo
- Ein Panoramafoto, ich fliehe vor einem Schwarm Mücken
- Der Senn beim Melchuelispitz ist gerade fertig mit Melchen
- Auf dem Weg zum Blatternspitz überholt mich derselbe
- Er startet den Generator und beginnt zu Melken
- Alphornspiel in der Anhöhe, ein kleines Waldecho
- Alphornspiel westlicher gleich, ein Hund bellt
- Der Senn verrichtet seine Arbeit und macht sich aus dem Staub
- Hütte und Stall sind in die Jahre gekommen
- Das Regenmessrohr ist und bleibt diesen Sommer trocken
- Spitzhütte und ein Jagdhochsitz beim Mösli

Unterhalb unseres Hausberges, dem Klosterspitz, parkiere ich gegenüber der Musegg bei einem Gädeli. Wie immer habe ich die Wanderstöcke dabei, welche vor allem beim Aufwärtsgehen sehr unterstützend sind, ich komme einfach schneller voran. Dabei achte ich beim Gehen darauf, dass der rechte Fuss mit dem linken Stock und umgekehrt zusammenfällt. Der Bewegungsablauf hat sich in meinem Unterbewusstsein schon so eingeprägt, dass er schon fast, wenn ich mal im richtigen Rhythmus bin, einen gebetsmühlenhaften Charakter hat, links, rechts, links, rechts und so weiter. Jedenfalls kraxle ich mit flottem Rhythmus und vor allem gleichmässigen Tempo hinauf zum Klosterspitz. Zuerst erreiche ich den Melchuelispitz, da die Sonne nur noch knapp über dem Horizont steht, packe ich das Alphorn aus und fotografiere die wunderschöne Abendstimmung, im Vordergrund mein Ziel der Blatternspitz und dahinter das markante Öhrli mit dem Säntis. Ich muss mich aber beeilen, denn ein Mückenschwarm hat es auf mich abgesehen. Die kleinen Biester attackieren mich und versuchen mich von allen Seiten zu stechen. Ich flüchte deshalb so schnell wie möglich.

Beim Melchuelispitz ist der Senn gerade fertig mit Melken. Er schaltet den Generator ab und kommt aus dem Stall, er sieht mich mit dem geschulterten Alphornsack vorbeiziehen und winkt freundlich zu. Während er seine gefüllten Milchtansen in seinen Geländewagen einlädt, gehe ich weiter westwärts zur angrenzenden Liegenschaft. Auf der schmalen Kiesstrasse höre ich dann eine Weile später ein sich näherndes Motorengeräusch, ich stehe neben die Strasse in das Wiesenbord um das sich nähernde Auto vorbei zu lassen, es ist wieder derselbe Senn. Anschliessend parkiert er rund 200m weiter vorne auch noch bei meinem Zielobjekt. Er steigt aus, schaltet ruckzuck im Haus den Generator ein und verschwindet im Eiltempo im Stall. Ich meinerseits blicke mich gemütlich um und suche einen geeigneten Platz um zu Spielen. Rechts über mir entdecke ich eine kleine Felsrippe worauf ein „Däghüffelibusch“ wächst – ein Hagebuttenstrauch. Das erscheint mir fürs Erste der geeignetste Platz zu sein. Ich steige empor, richte mich ein und beginne zu spielen. Da das Echo mich nicht überwältigt, versuche ich es weiter westlich oben beim Waldrand erneut. Dort liegt ein Baumstamm entastet am Boden und bei der noch stehenden Tanne neben zu hat sich ein Fuchs oder anderes Wildtier im Wurzelstock eingenistet, jedenfalls hat es eine Höhle dort. Leider muss ich feststellen, dass auch hier nur ein schwaches Waldecho zu hören ist, dafür habe ich die Aufmerksamkeit des Blässes weiter oben vom Grossspitz auf mich gelenkt. Er möchte allen mit lautem Bellen mitteilen, dass da irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu und her geht. Aber auch er bleibt unbeachtet, scheinbar sind abends um halb acht in dieser Gegend alle zu beschäftigt. Nach drei Stücken packe ich das Instrument in den Sack und steige das steile Wiesenbord wieder hinunter. Im selben Moment kommt auch der Senn  aus dem Stall, schaltet den Generator ab, lädt seine beiden Milchtansen in den Kofferraum, steigt wie vom Blitz getroffen in seinen Geländewagen ein und macht sich aus dem Staub. „Jäh no“ – ich hatte mich eigentlich schon auf einen kurzen Schwatz eingestellt.

Die Hütte und der Stall sind schon etwas in die Jahre gekommen, jedenfalls habe ich den Eindruck, dass das Haus ganzjährig leer steht. Auf mich wirkt es jedenfalls etwas nutzlos. Ich kann mir vorstellen, dass solche Liegenschaften für einen Landwirt schwierig zu unterhalten sind. Diese ist sehr gut erschlossen, das heisst der Bauer kann sie gut im Sommer vom Tal aus bewirtschaften. Da das Haus nicht mehr gebraucht wird, wirkt es sich für die Bauersleute eher als Belastung aus. Ohne Nutzen lohnt es sich auch nicht zu investieren und so wird das Interesse an einem solchen Objekt immer kleiner. Für den Landwirt wäre es sicher befriedigender nur ein moderner Gaden ohne Haus unterhalten zu müssen. Auf der anderen Seite würde der Heimatschutz das Verschwinden der Streusiedlung sicher kritisieren und ich persönlich würde die schönen kleinen Liegenschaften ebenfalls sehr vermissen. Bei vielen ist es heute schon so gelöst, dass das Wohnhaus vom Bauernbetrieb abgelöst wurde und nur für Ferienzwecke oder auch als Ganzjahreswohnsitz umgenutzt werden. Natürlich geht der Alpcharakter so leider etwas verloren, aber so ist halt der Wandel der Zeit.
 
Vor dem Hauseingang ist an einem Holzpfahl ein grünes Regenmesserröhrchen befestigt. Es misst Liter Regenwasser pro Quadratmeter und ist, für diesen Sommer sehr typisch, ganz leer. Es hat schon rund einen Monat nicht mehr geregnet und einige Alpbetriebe haben bereits Probleme mit der Wasserversorgung. In Anbetracht dass eine Kuh bei diesen warmen Temperaturen etwa 140 Liter Wasser pro Tag trinkt, kommt ein normaler Betrieb schnell auf einen Tagesbedarf von rund 2000 Litern. Ich weiss, dass zum Beispiel Beni Hollenstein in Rainhütten im Moment jeden Tag ein Fass mit 1000 Litern von Brülisau zur Alp transportieren muss. Zu der sowieso anstrengenden Arbeit auf der Alp, kommt nun diese Erschwernis auch noch dazu. Das hat mich die letzten Tage etwas beschäftigt. In der Politik müssten doch immer auch visionäre Gedanken geschmiedet werden. Man weiss heute, dass sich das Klima in Zukunft erwärmen wird und das Wasser infolge des Gletscherschwundes auch in der Schweiz knapp werden kann. Ich fände es deshalb sinnvoll, wenn man in den Schweizer Alpen sehr grosse Trinkwasserreservoire bauen würde. Das ist meines Erachtens nicht die Aufgabe der Bauern, sondern der Allgemeinheit. So etwas müsste längerfristig geplant werden und deshalb möglichst bald in Angriff genommen werden.

Da ich nie gerne denselben Weg zurück wähle wie ich gekommen bin, starte ich meinen Heimweg querfeldein – das Gras bei der Wiese steht nicht hoch. Vor dem Haus steche ich hinunter und treffe dort auf eine kleine Waldhütte. Bei der Eingangstür hängt ein Holzbrett worauf „Spitzhütte“ eingeschnitzt wurde. Vermutlich dient sie den Waldarbeitern als Unterstand bei kaltem oder nassem Wetter, denn darin stehen ein kleines Holzhärdli womit man kochen kann und daneben ein Tisch mit Stühlen. Ich gehe weiter und komme zu einem Mösli. Ich frage mich, wie dieses bewirtschaftet wird, denn es ist eigentlich vom übrigen Wiesland abgeschnitten und nur zu Fuss erreichbar. Bei der Liegenschaft meines Onkels, der mittleren Webern, gibt es auch ein solches Mösli. Ich mag mich erinnern, dass er dieses Stück Land jeweils von Hand mähen musste und wir beim Eintragen jeweils halfen. Das Kunststück war, eine „Bodi“ oder „Burde“ ideal zu binden. Nicht zu schwer, nicht zu gross und schön kompakt und jedem Körperbau individuell angepasst. Man legte einen Strick halbiert auf den Boden, so dass zwei Stränge nebeneinander lagen und packte das Heu mit einem Rechen möglichst kompakt aufeinander. In der Mitte des Stricks befand sich ein Holzstück wie ein Keil das links und rechts eingeschliffen war, dieses verband man nun mit den beiden Enden des Seils und konnte so das Packet fest zuschnüren. 30-40 solche Bodi’s trugen wir dann ins 500m entfernte Tenn, stiegen mühsam die Heuleiter hoch und warfen sie auf den Heuboden. Unsere Kleidung war meist sommerlich, also kurze Hosen, T-Shirt und barfuss. Ohne Schuhe über das feuchte Mösli zu laufen war immer wieder eine Wohltat und mit der schweren Bodi auf dem Buckel sank man zum Teil sogar etwas ein. Bei ganz nassen Stellen war der Weg sogar mit Rundholzstücken belegt so dass man nicht über die Knöchel einsank. Die Arbeit war sehr anstrengend und am Abend schmerzte der Nacken und der Rücken von den bissigen Heublumen. Ein kühles Bad im Brunnen vor dem Haus half das beissende Gefühl am Feierabend etwas zu entschärfen.


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