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DEFAULT : Alp Garten
02.08.2015 21:00 ( 1269 x gelesen )


- Parkieren beim Erstböhl
- D‘Chueschnuer uf, denn dö d’Förreli mit de Löche
- Ein Picknicktisch, leider wurden Sachen liegen gelassen
- S’Schmugglerwegli ab
- Alphornspiel vor Gartenalp Hasenplatten
- Der Senn ruft: „Magsch nebis trinke?“
- Ein Stier springt auf mich zu. „Mosch ke Angscht ha.“
- Bei einem Glas Moscht beginnt Hans in seiner Stube zu erzählen
- Hans vom Hirschberg steht jeweils um 05:45 auf
- Er macht jeden Tag Rahm und Butter
- 4 Geissen werden gemolken, regelmässig liefert er an eine Privatperson
- Er ist rund 11 Wochen hier oben
- Z’escht hani gmeent de Köbi Rechsteiner spilt do obe
- Er erwähnt seine Ex, das passiert scheinbar auch bei Bauern
- Er hat nur noch 12 Kühe und einen kleinen Traktor
- Flachdächer, Bodenpreise, Bauabstände – es wird eng
- Wenn die Geissen an der Südwand stehen ist das ein gutes Zeichen

Heute Abend ist es so schön, dass es mich richtig chrüseled bis ich endlich z’Berg gehen kann. Ich fokusiere die Gartenalp auf der Ebi und parkiere beim Erschtböhl. Dort kommt mir gerade die Bäuerin mit den vollen Milchtansen im Kofferraum ihres roten Subarus entgegen. Sie hält an und fragt: „Hoi, chonsch no cho spiele?“ Nei, hüt gangi i d’Gartealp.“ Antworte ich ihr, dann erwidert sie: „I mos gad wädli i d’Hötte, i setze, wenn i wiede uni chom, e chli verusi, villicht ghöri di jo no.“ Lacht freundlich und fährt weiter Richtung Tal. Von hier aus führt ein Weg durch den Wald direkt nach oben. Er hat einen lustigen Namen, man sagt: „D’Chueschnur uf.“ Oberhalb des Waldes gelange ich dann zur Talstation des Gartenskiliftes, danach ist mir die Route geläufig, denn im Winter geht die Skipiste hier hinunter. Ich möchte die Alp Hasenplatten besuchen, diese befindet sich auf der linken Seite vom Talboden. Auf dieser Seite gibt es viele kleine Föreli wo man im Winter herrlich Tiefschneefahren kann und heute interessiert mich, wie es dort ohne Schnee aussieht. Als erstes komme ich an einem Picknicktisch vorbei, eigentlich ein schöner Rastplatz, nur bin ich empört, weil unter dem Holzbank noch Abfall liegt. Ein Plastiksack mitsamt Einkaufsquittung, ein Wurstpapier und dahinter liegt eine leere Bierflasche. Ein solcher Anblick löst bei mir immer Entsetzen aus, wie kann man nur so verantwortungslos sein.

Der Weg durch die Föhren ist dann doch etwas schwieriger als ich dachte. Hier gibt es viele Felsrippen, Furchen und tiefe Löcher, ein Fehltritt könnte verheerende Auswirkungen haben und überall bleibe ich mit meinem sperrigen Alphornsack noch hängen. Mich fasziniert das goldige Licht der Abendsonne, es durchdringt die  Föhren und die langen Nadeln daran unterteilen das Licht zusätzlich noch in feine Strahlen. Irgendwann habe ich das Gefühl, dass es nicht mehr weiter geht, ein letzter Versuch mit einem Sprung zur gegenüberliegenden Felsrippe und dabei gebe ich Acht, dass ich nicht aus dem Gleichgewicht gerate. Dann folge ich der Rippe etwa 10m nach oben und stosse zu einem ganz schmalen Pfad der quer dazu verläuft. Ich folge ihm nach rechts, er schlängelt sich durch das Dickicht der Föhren und geht schlussendlich im steilen Zickzack die Felswand hinunter. Dann sichte ich plötzlich auf der rechten Seite die Melster der Alp Hasenplatten. Auf dem steilen Weglein packe ich das Alphorn aus achte darauf, dass nichts davon rollt. Dann suche ich einen einigermassen geeigneten Platz zum Spielen und Stehen um wenigsten ein bisschen Halt im steilen Gelände zu haben. Kaum habe ich die ersten Töne geblasen, guckt auch schon ein älterer Senn zu mir hinauf und hört aufmerksam zu. Nach dem ersten Stück ruft er irgendetwas hinauf, ich kann ihn aber leider nicht verstehen. Ich blase noch zwei weitere Stücke, dann ruft er wieder, diesmal etwas lauter: „Magsch nebis trinke?“ Au, jo gehen, “ rufe ich ihm zurück und blase noch ein letztes Stück. Danach verstaue ich mein Instrument und gehe zu ihm hinunter. Auf der Weide kommt dann eine Kuh auf mich zugesprungen und weil sie einen etwas grösseren Kopf hat und auch grimmiger drein schaut, werde ich schon fast etwas nervös. Es ist dann auch keine Kuh sondern ein junger Stier wie ich am langen Hodensack erkennen kann. Zum Glück pfeift ihn der Senn zurück und ruft mir zu: „Mosch ke Angscht ha, e tuet de nützte.“ Der Stier schaut mich aus rund 4m Entfernung entgeistert an – puh nochmals Glück gehabt. Ich begrüsse den Sennen und sage ihm mit einem Grinsen: „Vo do obenabi chonsch vemuetlich selte Bsuech öbe, ode?“ „Jo, da stimmt ond du hesch siche nüd gwesst, dass da s’Schmuggleweegli isch wo du grad abi cho bisch, ode?“ Erwidert er und grinst fröhlich zurück.

Der Senn heisst Hans und offeriert mir gerne ein Glas Most. Wir setzen uns an den Holztisch in der einfach eingerichteten Stube seiner Hütte. Er erzählt mir, dass er jeweils am Morgen um 05:45 aufsteht um seine vier Geissen und zehn Kühe zu melken. Die Milch vertränke er an das Jungvieh, mache aber auch täglich Rahm und Schmalz daraus. Die Geissenmilch kann er sogar an private Abnehmer verkaufen, sie sei speziell geeignet für Kinder, die die Kuhmilch nicht vertragen. Dann meint er: „De Franz, chensch en siche scho de Teleboy, hetti hüt söle vebei cho. E nehnt amel s‘frische Schmalz abi, i ha jetz denn bald ke Platz me zom lagere.“ „Jo, de Franz chenni scho“ antworte ich ihm, „ e hölft bi meh i de Bude au ab ond zue us, also das hässt, e goht denn eher amel mit uf de Bau.“ Hans grinst und erzählt weiter: „Göll, e het Chraft wie en Bää ond e mag trotz sinem grosse Buch wie e jungs Häsli. Zo meh uf d‘Alp chont e jedesmol z’Fuess onneuni cho d’Mölch kontrolliere, da macht sös niemed.“ Dann wird die Stimmung etwas melancholisch als ich ihn frage, wie lange er während der Alpzeit hier oben ist. Hans antwortet: „Im ganze sönds epe älf Woche ond sett i elee bi, gang i nu no is Tal wenn’s nötig isch, zom Heue ode Bschötte.“ Dass ihn seine Frau verlassen hat, stimmt ihn traurig. Dann kommt wieder ein Leuchten in seine Augen als er sagt: „ I ha zescht gmehnt diä Tön chämid vom Radio ond denn, dass de Köbi vo Hasle hönderem Huus e Ruggusseli spilt. I han abe scho gmeckt, dass es e chli andescht cheit. De Köbi isch früene mit sinere Frau no eppe zo meh ond minere Ex uf d’Alp cho, ond alewile het e sis Gügeli debei kha.“ Hans kommt ins Schwärmen als er von den alten Tagen erzählt, von heute weiss er weniger Gutes zu berichten. Die Bodenpreise seinen in schwindelnder Höhe, es werden viele Flachdachhäuser gebaut und bei ihm in der Hostet bei Appenzell kommt das angrenzende neue Haus schon sehr, sehr nahe. „Da isch efach nüd gsond ond alls mos imme no schnölle goh. Au bi de Buure isches efange verockt, d’Ställ ond d’Maschine werid all grösse, sie vescholdet sich all wie meh ond mönd dromm au all zuesätzlich oswets no go weche dass sis vemögid. I ha dehem nu no 12 Chüe ond en chlinne Trakto, da langed fö mi vollkomme, denn i bruche nüd vill ond bi eso efach zfrede.“

Ich könnte Hans noch lange zuhören und ich bin sicher, dass er auch noch die einte oder andere interessante Geschichte zu erzählen hätte. Draussen wird es aber langsam dunkel und ich mache mich deshalb auf den Weg. Vor der Türe schaut Hans nach seinen Geissen und meint: „Lueg gad, sie sönd dei obe uf de nödige Site (das ist im Süden) bi de Felswand, da isch e guets Zäche, denn bliibt s’Wette guet. Wenns grüsig isch suechids amel uf de andere Site Schutz.“ Danach zeigt er mir noch eine Abkürzung und winkt mir zum Abschied hinter her. Schade dass ich nicht länger Zeit hatte, aber vielleicht begegnen wir uns irgendwann mal im Dorf.   


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