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DEFAULT : Alp Vordere Bommen
28.05.2015 21:00 ( 1752 x gelesen )


- Parkplatz beim Erstböhl ist neu eingekiest
- Alphornspiel oben auf der Kuppe, ein entferntes Echo das man kaum hört
- De Jock vom Schwänberg
- Ganz schö isch gseh, bravo
- Früher hörte man das Alphorn noch öfters, aber heutzutage…
- Er offeriert einen Humpen Wasser, sogar mit Blöteli
- Das ur-uralte Rathaus von Herisau steht im Schwänberg
- Haus mit Rutenkamin, das gibt es fast nirgends mehr
- Das alte Wirtshaus Sternen ist im letzten Jahr  eingegangen
- Ein grosser Lehmofen steht dort, ca. 3x2m
- Die Milch der 18 Kühe bringt er zu Appenzellermilch
- „De Heem hani no Saue ond e Frau, die daf i au nüd vegesse.
- Die beiden Buben sind auch Landwirte
- 2 Töchter lernen Beck und Köchin
- Es ist mühsam den eigenen Vornamen immer 2-3 Mal zu beschreiben

Beim Erstböhl parkiere ich meinen Wagen auf dem neu angelegten Parkplatz auf der rechten Seite. Ein Bagger steht immer noch auf der oberen Seite vor einem grossen Haufen Kies, vielleicht wird der Platz noch grösser? Jedenfalls ist diese Investition sehr sinnvoll weil es von Frühling bis Herbst viele Wanderer gibt die gerne von hier aus ihre Tour zum Bergrestaurant Aescher starten. Auch heute sind etwa 20 Autos hier parkiert. Bis zur Alp Vordere Bommen ist es nicht weit, in rund 15 Minuten bin ich bereits dort. Vor dem Gaden steht das Auto des Sennen, es hat ein AR Nummernschild, der Senn selber ist vermutlich im Stall denn die Melkmaschine dröhnt laut bis zu mir hinüber. Ich steige auf die Kuppe oberhalb der Gebäude und muss mich in Acht nehmen, dass ich keine Blumen zertrete, denn sie strahlen in voller Pracht. Oben angekommen packe ich mein Instrument aus und versuche mit dem Alphorn das Brummen der Maschine zu übertönen, was mir auch gelingt. Das ersehnte Echo schallt leider nur ganz leise und aus weiter Entfernung zurück.

Beim zweiten Stück kommt der Senn kurz aus dem Stall, schaut sich um und geht wieder hinein. Beim dritten Stück kommt er wieder hinaus, hält eine Plastikschüssel in der Hand und kommt auf mich zu. Als ich fertig gespielt habe, schultere ich mein Alphorn und steige zu ihm hinunter, er sagt: „Guete Obet, ganz schö isch gseh, bravo.“ Ich begrüsse ihn ebenfalls und bedanke mich für das Kompliment. Es ist etwas speziell, denn wir siezen uns, eigentlich habe ich mir vorgenommen immer möglichst schnell die Duform zu benützen, aber diesmal habe ich das irgendwie verpasst und mitten im Gespräch plötzlich umzustellen ist ganz komisch. Erst später, bevor ich gehe, geben wir uns die Hand und er sagt: „I bi denn de Jock.“

Jock sagt: „Früene het me s’Alphorn schon no meh ghört, do het öperemol no en ode au zwee vo de Ebenalp öbe d’Felswand abi blosed. Sit e paar Johr isch das abe vebei, werom wäss i au nüd. Drom freuts mi om so meh, dass sie hüt do sönd. Sie mögid siche nebis Trinke?“ Geen“, antworte ich, „abe i wett sie nüd störe, sie mönd siche no mit de Mölch is Tal?“ „Nei, nei“, antwortet Jock, „hüt bliib i do obe ond gange denn escht moon wide uf Herisau.“ Wir setzen uns an seinen Gartentisch und Jock serviert mir einen Humpen mit Blöteliwasse. Das schätze ich sehr, denn auch er muss dieses Wasser mühsam zur Alp transportieren. Jock beginnt dann von seiner Heimat in Herisau zu erzählen. Wir finden heraus, dass er ganz in der Nähe einer Kundin von mir seinen Hof hat, im Schwänberg oberhalb Herisau Richtung Degersheim. Dort steht auch das Ur-ur-alte Rathaus von Herisau, heute ist es zu einem Museum umfunktioniert, denn es ist mehr als 1000 Jahre alt, meint er. In diesem kleinen Weiler steht auch ein Haus mit einem „Ruetechämi“, was dies genau ist, kann mir Jock nicht erklären, nur: „Da gets sös globi niene me, da mos irgend e Chämi seh, wos mit Ruete ond Lehm gmacht hend.“ Er erzählt dann auch noch vom Restaurant Sternen und trauert diesem etwas nach, denn es ist seit gut einem Jahr geschlossen. „Dei inne stoht ebe no en riesige, uralte Lehmofe i de Stobe. Ebbe zwe mol drei Mete gross ond dei inne hends denn amel ganz feins Holzofebrot ond de bescht Bölleflade uf de Alpenordsite gmacht.“

Ich frage Jock, wie viele Tiere er hat und ob er die Milch selber verwertet: „Do obe hani 18 Chüe und d‘ Mölch bringi zo de Appezöllemölch. De heem hani abe no Saue – ond e Frau“ er schmunzelt etwas und erzählt weiter, „ die daf i natüli nüd vegesse.“ Nach dieser Aussage muss ich mich sehr beherrschen, denn das Lachen steht mir aufgrund der speziellen Aufzählungsreihenfolge wirklich fast zu vorderst. Danach erzählt er weiter: „Denn hani no zwe Buebe wo beidi au buurid ond zwe Töchter, eni lehnt Beck ond die ande Choch.“ Mit Jock könnte ich noch den ganzen Abend diskutieren, denn er hat eine ganz angenehme und sehr interessante Art, ich muss aber langsam aufbrechen. Bevor ich auf den Heimweg gehe frage ich ihn, ob ich noch ein Bild von seiner Küche machen darf. „ Natüli,“ sagt er, nimmt einen Besen zur Hand und wischt die Holzspäne rings um den Schittetotz weg. Ich habe bereits die Kamera um den Hals und rufe ihm zu: „Da isch nüd nötig, am liebschte hanis genau e so wies isch.“ Jock gefällt das aber gar nicht und erwidert: „Nei nei, die Sauerei moss siche nüd ufs Böld.“

Nach den speziellen Bildern verabschiede ich mich und wir tragen uns wie schon angekündet das Du an. Jock hat vermutlich meinen Namen noch nie gehört und fragt deshalb dreimal nach, wie man ihn genau ausspricht. Das passiert mir ab und zu und jedes Mal ärgere ich mich darüber. Warum habe ich keinen normalen Namen bekommen, genau wie Jock? Es ist nicht so, dass mir mein Name nicht gefallen würde, aber man hört ihn in der deutschen Schweiz halt nur sehr selten.


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