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DEFAULT : Heimweide Cheer
20.04.2015 20:20 ( 871 x gelesen )


- Lamborghinifahrer und Traktorfahrer, Respekt
- Streule Reto fährt gerade auch auf den Parkplatz
- Beim Robidog rechts über die Brücke. „Gohsch in Bäästee?“
- „Ond, hesch e Jäckli debei?“
- „I de Risi zeids de de Grend noch ab!“
- Wunderschöner Wanderweg, wo kommt denn plötzlich der Hund her?
- Beim Möösli riecht es wieder einmal herrlich, ein Reh flieht
- Weg mit Betonwabensteinen bis zur Hütte
- Hier oben ist es fast windstill
- Wunderschöne Abendstimmung
- Hallo, ist hier jemand? Nein, nur der Brunnen gluggeret wie verrückt
- Die kleine Stalltüre ist in die Jahre gekommen
- Das Alphorn kippt um und erleidet einen „Flitschen“, au das tut weh
- Alphornspiel Richtung Wasserauen ist unspektakulär
- Richtung Brülisau ist das Echo ausgesprochen schön
- Buchriiberli gelingt ohne Verspritzer

Auf der Fahrt nach Brülisau kommt mir ein in die Jahre gekommener Fendt Traktor entgegen, darauf sitzt ein junger Bauer der seine Milch in die Hütte bringt. Das alte Gefährt bringt vielleicht gerade noch 20 Km/h auf den Tacho. Auf der kleinen Brücke zwischen den grossen Hinterrädern sind drei Milchtansen mit blauen Heuballenschnüren gesichert. Eigentlich ist das eine ganz alltägliche Gegebenheit, es sei denn, er wird von einem nigelnagelneuen schwarzen Lamborghini verfolgt der zwar keine grüne aber ebenfalls ein Nummernschild mit AI Kennzeichen hat. Der Bauer hat seine PS im Stall, auf der Wiese oder unter seinen Hemdsärmeln versteckt, der andere unter der protzigen Motorhaube. Solche Gegensätze sind in letzter Zeit immer mehr zu beobachten in Appenzell. Die Bauern in Appenzell sind recht fortschrittlich und haben in den vergangenen Jahren recht modernisiert, heute haben sie mehr technische Hilfsmittel und auch grössere Ställe als früher. Der Menschenschlag ist aber geblieben, bodenständig, hilfsbereit und immer einen träfen Spruch auf der Lippe. Zur heutigen Situation führte ein raffiniertes Steuersystem  - oder vielleicht ist es auch nur das schöne „Ländli“ mit der würzigen Luft? Jedenfalls hat es viele Leute aus der Oberschicht angelockt. Häuser schiessen aus dem Boden wie Krokusse im Frühling, die Architektur der Gebäude gleicht eher solcher vom Zürisee und die, ich sage mal normalen, Häuser im Appenzellerstil verschwinden immer mehr. An die flachen Dächer musste ich mich erst mal gewöhnen, man kann deshalb sagen: „Es isch nomme wie früene“ – muss und darf es schlussendlich auch nicht sein. Was aber schon immer wichtig war und heute länger je mehr ganz bewusst gepflegt werden sollte ist: Respekt. 

In Brülisau parkiere ich beim Baugeschäft Streule. Reto, der Chef, fährt gerade auch auf den Kiesplatz und ich kann ihn gerade nach dem Weg Richtung Sigel fragen. Er antwortet: Siesch dei hönne de grüe Robidog, dei gohts rechts öbe d‘Brogg. Gohsch in Bäästee uni?“ „Nei,nei.“ Antworte ich, „da isch me vill zgföhli, het no Schnee, isch doch escht grad letscht Woche en tödlich verunfallt bi de Staubere.“ Reto erklärt mir, dass es mit Steigeisen bei diesen Verhältnissen eigentlich kein Problem wäre.  Man vergisst aber immer wieder, dass der Schnee tagsüber schmilzt und weich wird, sobald aber die Sonne weg ist, wird er „bockseckelhet“. Mit den Schneeschuhen hat man dann im steilen Gelände keine Chance mehr, dem Ärmsten wurde genau das zum Verhängnis. Dann fragt er mich: „Hesch e Jacke debei?“ Ich bejahe und er erwidert: „Chomme grad vo de Risi abe, dei zeid de ebe de Loft noch de Grend ab.“

Ich mache mich auf den Weg und muss zugeben, dass Reto Recht hat, es ist wirklich ein schöner Wanderweg. Plötzlich steht ein grosser Hund, mit braunem, glattem Fell, neben mir und schaut mich schräg an. Bläss kann ich den nun wirklich nicht benennen, deshalb sage ich ihm ganz einfach: „Hoi du,“ und schaue ihm tief in die Augen, er schaut mit schrägem Kopf ganz treuherzig zurück. Rund 100m weiter unten steht sein Meister und fuchtelt mit der Leine in der Hand durch die Luft, dann ertönt ein schriller Pfiff, das Wauwauchen spitzt die Ohren, kehrt sich um und springt „wie s’Bisiwette“ zurück. Weiter oben erreiche ich in einer Waldlichtung ein Möösli, ein äsendes Reh hört meine Schritte schon von weitem und sucht das Weite. Die Luft hier oben riecht ausgesprochen fein und würzig. Ich frage mich, als vor 150 Jahren die Tourismusverantwortlichen mit der würzigen Luft in Appenzell Werbung machten, meinten sie genau diese? Oder eher die sommerlichen Gerüche wenn Kühe und Geissen auf der Weide sind? Ich jedenfalls würde den Duft hier oben bevorzugen.

Oberhalb des Waldes folge ich dem Wanderweg über die Wiese der nach 200m mit einem Hag endet. Von nun an führt ein Fahrweg mit Betongittersteinen bis zur Liegenschaft Cheer, diese Art Weg gefällt mir weniger gut, ist aber während der Alpzeit sicher praktisch für den Sennen. Reto hat mich gewarnt vor dem starken Wind, der „Laseyer“ ist gefürchtet und hat sogar die Appenzellerbahn auch schon aus den Schienen gehoben. Im Moment ist es aber sozusagen windstill, was dem Alphorn sehr entgegen kommt. Bei der Hütte stelle ich als erstes den Alphornsack auf den Boden und möchte die wunderschöne Abendstimmung nutzen um erst ein paar Bilder zu schiessen. Ein Geräusch von der Melster drüben macht mich aber etwas unsicher, ist doch jemand hier? Ist der Senn etwa zu Fuss hochgestiegen? Ein Gefährt kann ich jedenfalls nirgends entdecken. Vorsichtig schaue ich um das Hauseck, nein, es ist nur der Brunnen der unregelmässig gurgeld, blubbert und ab und zu wild heraus spritzt.  

Bei der Melster ist der untere Teil des Fedlechs, das ist die zweiteilige Stalltüre, so alt, dass man das Gefühl hat sie fällt jeden Moment vom Türrahmen. Einen oberen Teil gibt es nicht oder hat es nie gegeben, denn dahinter steht eine einteilige Türe die den Stall versperrt. Seitlich bei der Hütte ist eine Solarzelle angebracht, ich denke sie dient weniger dem Sennen als mehr dem Mieter. Es ist so, dass die Hütte der schweizweit bekannte Komponist und Jodelchorleiter Dölf Mettler gemietet hat, schade dass er nicht da ist. Er hat sicher die einte oder andere Stimmung hier oben aufgeschnappt und in seine Kompositionen eingeflochten. Mich inspiriert das goldene Licht der untergehenden Sonne, deshalb stelle ich die Alphornteile wie Hagpfähle zwischen die Haglatten vor der Hütte, sie sollen das warme Licht reflektieren. Das ganze Arrangement habe ich bereits auf dem Bildschirm meines Telefons und muss nur noch den Auslöser drücken. In diesem Moment fällt der Becherteil des Horns nach links und prallt auf die darunterliegende Latte, peng… Mir steht das Herz einen Moment lang still, hoffentlich ist nichts Schlimmes passiert. Der Becher hat einen kleinen 1mm tiefen Flitschen, das ärgert mich sehr, denn das Instrument wächst mir immer mehr ans Herz. Ich nehme mir deshalb vor in Zukunft  etwas achtsamer umzugehen.

Danach spiele ich drei Stücke Richtung Wasserauen, kein Echo, kein Juchts, jähno. Da die Abendstimmung mit der fast goldigen Sonne sehr zusagt, probiere ich es auch noch in Richtung Brülisau. Wow, hier ist das Echo dafür umso fantastischer mit wiederholendem Effekt. Das inspiriert mich richtig, sodass mir nach vier Stücken das anspruchsvollste und strengste ohne Verspritzer gelingt, „s’Buchriibeli“.
               


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