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DEFAULT : Boschgeren
03.04.2015 17:00 ( 1296 x gelesen )


- Ein geschenkter Tag, es ist Töffwetter
- 15 Minuten ab dem Rest. Eggli
- Einige Wanderer sind unterwegs
- Es liegt noch Schnee, der Alpstein wie frisch verzuckert
- Ich baue am Wegrand mein Instrument zusammen
- Ein Wanderer bleibt stehen und schaut verwundert zu
- Die Gebäude wirken sehr gepflegt und aufgeräumt
- Ein prächtiges Weidkreuz lädt zum Spielen ein
- In der Ferne der Bodensee, der Frühling steht vor der Türe
- Ski- und Schneeschuhspuren von der Fähnern
- Ich spiele gegen Westen, eine frische Brise kommt auf
- Leonie telefoniert und bestellt Brot 

Heute ist Karfreitag und ausnahmsweise scheint die Sonne, es fühlt sich an wie ein geschenkter Tag. Die letzten Wochen waren eher trüb, Schnee und Regen wechselten sich ab. Heute würde die legendäre Säntisabfahrt stattfinden. Mit Gabriel warte ich schon länger auf dieses Abenteuer am Karfreitag, aber immer kommt etwas dazwischen. In diesem Jahr ist es lawinengefährlich und die Säntisbahn wird vorsichtshalber niemanden mit Skiern in der Hand nach oben befördern. Wir hoffen deshalb auf das nächste Jahr. Mich chrüselets trotzdem, irgendetwas möchte ich in der frühlingshaften Natur unternehmen. Kurzentschlossen packe ich mein Alphorn und fahre zum Restaurant Eggli, ab dem Parkplatz ist die Heimweide Boschgeren in 15 Minuten Fussmarsch zu erreichen. Mir begegnen einige Wanderer, ich kenne niemanden von ihnen, zwei Passanten unterhalten sich sogar in Englisch, „luute Oswetigi“. Das Eggli ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Der grosse Parkplatz, die gut erschlossenen Wanderwege und die geniale Aussicht in den Alpstein sind kaum zu übertreffen. Deshalb stehen auch mindestens fünf schwere Motorräder vor dem Restaurant, natürlich nur auswärtige Nummernschilder.

Der Alpstein sieht aus wie frisch verzuckert. Die Niederschläge der letzten Tage haben dem Säntis rund 1,2m Neuschnee vermacht und die Frühlingssonne lässt alles in einem speziell hellen Licht erscheinen. Am Wegrand vor der Alp öffne ich den Alphornsack und baue mein Instrument zusammen. Mit dem Horn auf den Schultern gehe ich die paar Meter bis zur Alp, erst da bemerke ich, dass mich ein neugieriger Wanderer beobachtet, wir grüssen einander. Er hat mich etwas überrascht und ist sicher der Meinung, dass ich jeden Augenblick zu spielen beginne. Ich weiss nicht warum aber mir ist es etwas peinlich. Umgehend zerlege ich das Alphorn wieder, stelle die drei Teile vor die Hütte und mache mich mit dem Fotoapparat an die Arbeit und tue so als wäre ich wie alle anderen ebenfalls ein Tourist. Die Neugierde legt sich und er geht weiter seines Weges.

Die Gebäude und der Umschwung wirken sehr gepflegt und aufgeräumt. Auf der Ostseite steht ein prächtiges Weidkreuz, das ist der ideale Ort um zu spielen. Von dort aus sieht man in der Ferne den Bodensee, dort wird es heute sicher frühlingshaft warm sein. Ein Echo kann ich von hier aus keines hören, vergeblich versuche ich es auch an anderen Plätzen rund um die Alp. Zum Schluss gehe ich nach Westen und quere eine Ski und Schneeschuh Route die „fadegrad“ zur Fähnern führt. Mit den Skiern hat jemand erst vor kurzem eine mustergültige Slalomspur gezogen. Ich übersteige den Grenzhag und treffe auf eine Stelle mit vielen Wildspuren, einige Flecken wurden aufgescharrt auf der Suche nach etwas Essbarem. Warum denn genau hier oben? Rund 100m weiter unten ist die Weide doch „ober“, es liegt dort kein Schnee mehr. Vielleicht haben die Tiere auch ihre Gewohnheiten und Lieblingsplätze. Jedenfalls spiele ich da nochmals, immer noch auf der Suche nach einem Echo. In diesem Moment macht sich eine kühle, forsche Brise bemerkbar. Gegen den starken Wind ist es aussichtslos, ich versuche deshalb so kontrolliert zu blasen, dass er mir die Töne wenigstens nicht abreisst.

Es ist Zeit für die Heimkehr, deshalb platziere ich noch das Schild neben der Türe zur Hütte und packe meine Sachen zusammen. Ein Blitzgedanke schiesst mir durch den Kopf, ich habe vergessen das Handy auf lautlos zu stellen, bin wohl etwas aus der Routine. Zum Glück hatte es nicht geläutet, doch genau in diesem Moment beginnt es zu klingeln. Meine Tochter Leonie ist dran und fragt wann ich nach Hause komme und ob ich noch ein Brot mitbringe für das Nachtessen. „Das isch jo wie abgmacht“, antworte ich ihr, „bi inere Vielstond deheem.“ 


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