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DEFAULT : Alp Dunkelberndli
14.05.2015 18:45 ( 1319 x gelesen )


- 15 Gehminuten vom Herrenberndli entfernt
- Viele grosse Steine liegen in der Wiese
- Weisse Blumen sehen aus Distanz aus wie ein Teppich
- Gebäude gut im Schuss, Liebe zum Detail, 2011 steht auf dem Brunnen
- Eine gekrümmte Blume mit rhabarberähnlichen Blättern, wie heisst sie?
- Stacheldraht und Betonrohre
- Alphornspiel etwas unterhalb der Gebäude, sehr angenehm
- Sumpfdotterblume fürs Herbarium von Ramona
- Gegenüber die untere und obere Helchen, Erinnerungen erwachen

Das Dunkelberndli ist nur rund 15 Gehminuten vom Herrenberndli entfernt. Mitten in einem Meer von weissen Blumen hat es fast eine märchenhafte Erscheinung. Wild verstreut liegen grosse Felsbrocken in der Wiese. Die Gebäude sind sehr gut im Schuss, auf dem grossen Holzbrunnen ist die Jahrzahl 2011 eingeschnitzt was erahnen lässt, dass alles erst vor kurzen erneuert oder renoviert wurde. Als Türband für das Holztor beim Gaden wurde mühevoll ein gekrümmter Holzast angepasst, überhaupt kann man die Liebe zum Detail in vielen verschiedenen Arbeiten erkennen. Da ist jemand mit Herzblut bei der Sache, Kompliment.

Hinter dem grossen Gaden entdecke ich eine speziell gekrümmt Blume, zuerst denke ich an Rhabarber, nach genauerem Betrachten komme ich von diesem Gedanken wieder weg. Die Alpenblumenfibel soll weiter helfen, ich blättere das ganze Buch durch, kann aber kein vergleichbares Bild finden. Vielleicht ist diese Pflanzenart eher als Unkraut bekannt und deshalb nirgends speziell erwähnt. Meine Schwiegermutter kann mir da vielleicht weiter helfen, sie kennt sich damit bestens aus. Da auch sie passen muss, versuche ich es beim Alpenblumenspezialisten Edi Moser. Er fackelt nicht lange und meint, aufgrund der haarigen Blattunterseite und den Knöpfen auf den Stengeln muss das eine Pestwurz sein, ja vielleicht sogar eine Alpenpestwurz. "Wo hesch sie denn gfunde?" Fragt er und ich antworte ihm: "Unterhalb vom Schwizerälpli hintereme Mischthüsli." "Jo, denn isches d'Alpepeschtwurz, die wachst uf dere Höchi ond het ganz geen Schatte." Er zückt die Alpenfibel und ergänzt: "Gsiesch, d'Nummere 2158, uf dinem Böld isch si halt scho veblüht dromm hesch sie nüd gfonde." Die Liebe zum Detail die Edi Moser an den Tag legt gefällt mir und sein Wissen über die Natur beeindruckt mich sehr.

Vier Meter weiter vorne liegen in einer Nische einige Betonrohre, Granitstellriemen und eine Rolle rostiger Stacheldraht. Diesen Draht mit den messerscharfen Zinken sehe ich länger je weniger gern. Überall wo man über einen solchen Hag klettern muss und keine Stapfede vorhanden ist laufe ich Gefahr, meine Hosen oder den Alphornsack erneut zu zerreissen. Ich mag mich erinnern, dass die Jäger dieses Problem auch schon diskutierten. Das Wild kann sich beim Überqueren dieser Absperrungen ebenfalls unschön verletzen, was nicht nötig wäre. Ein doppelt gewundener Draht ohne Stacheln würde vollends reichen oder?

Für das Alphornspiel stelle ich mich rund 100m unterhalb des Gadens auf und bin gespannt ob das Echo gleich schön ausfällt wie vorhin beim Herrenberndli. Das ist nun wie bei einem sehr guten Essen, wenn man das Dessert schon gegessen hat, möchte man keine Suppe mehr serviert bekommen, auch wenn sie noch so fein schmeckt. Konkret, sehr schönes Echo aus der Ferne, leider etwas leise. Nach vier Stücken mache ich mich auf den Heimweg. Ich wähle einen anderen Weg zurück als ich gekommen bin und schlage deshalb Richtung Leu ein. Als erstes steche ich ab ins Bachtobel wo ich eine schöne Sumpfdotterblumen entdecke. Meine Nichte hatte mir gerade gestern mitgeteilt, dass sie noch ein solches Exemplar brauche für ihr Herbarium. Sie hat den Auftrag vom Gymnasium 42 verschiedene Blumen samt Wurzel auszugraben, zu trocknen und pressen, und abschliessend alle mit dem lateinischen Namen zu beschriften. Diesen Gefallen mache ich ihr gerne und packe noch ein blühendes Hasenklee dazu.

Mit den beiden Pflanzen in der Hand marschiere ich nun heimwärts. In dieser Gegend habe ich nun alle Alpen bespielt, ein wohliges Gefühl kommt auf. In meinem Kopf läuft urplötzlich ein Film ab, zu jeder Destination gibt es eine Geschichte die mir in den Sinn kommt, das Klavier auf dem Heuboden bei der Grossen Leu, das mit Wasser gefüllte Bstöckt beim Leustückli, die vielen Geissen und der Becher frische Milch bei der vorderen Leu, gegenüber liegt die Helchen wo ich unlängst bei der Unteren ein Velo am Baum fotografierte und bei der Oberen im Winter mit Tochter Leonie bei dickem Nebel durch den Schnee gestampft bin. Dankbar bin ich, dass ich all diese Geschichten erleben durfte. Ein Schatz den mir niemand, auch ohne dass ich ihn einsperren muss, wegnehmen kann. Es braucht nicht viel um glücklich zu sein, es scheint mir mit offenen Augen durch die Welt zu gehen ist das Wichtigste.    


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